Bücher können verzaubern, uns in Welten schicken, die so fantastisch sind und sich von unserer eigenen Welt unterscheiden, dass wir träumen und fliehen können. Manchmal reisen wir in fremde Welten, die es so nicht mal ansatzweise irgendwo gibt. Dann wieder in ferne Länder, wo wir Sitten und Traditionen entdecken. Ab und an sind wir ganz in der Nähe und entdecken Gebiete, die wir unbedingt selbst einmal besuchen wollen. Wir treffen Menschen mit übersinnlichen Fähigkeiten. Charaktere, die eine schwere Zeit hinter oder vor sich haben, kreuzen unseren Weg.

Aber welche Wahrheiten darf es geben? Wie viel von dem echten Leben darf vorkommen? Wird dadurch die Lesefreude gemindert? Oder doch eher verstärkt?
Wenn ich jetzt nach mir gehe, mein Leseverhalten vom letzten Jahr Revue passieren lasse, dann muss ich gestehen: Ich brauche diese Wahrheiten!

Oh ja, ich weiß, die Welt kann ein grausamer Ort sein. Kriege … Hungersnot … Vergewaltigungen … Missbrauch … Tod … Es gibt so viele schlimme Nachrichten, wozu dann auch noch solche Dinge in Büchern lesen, obwohl man damit doch flüchten will!? Ich persönlich kann euch dafür eine einfache Antwort geben – meine Sicht dessen.

In unserer Welt gibt es unfassbare Dinge. Mit manchen wir selbst nicht mal annähernd umzugehen wissen. Situationen oder Nachrichten lassen uns wie erstarrt zurück. Wir grübeln darüber, was wir in solchen Momenten tun würden, kommen letztendlich aber doch auf keinen Nenner. Schweigen bei einer Vergewaltigung? Still leiden wegen jahrelangem Missbrauch? Den Tod eines geliebten Menschen hinnehmen, weil wir es eben müssen?

In manchen Büchern begegnen mir jene Protagonisten, die genau dieses Leid ertragen müssen. Sie zeigen Wege auf, wie man damit umgehen könnte. Meistens stecken hinter diesen fiktiven Persönlichkeiten Autoren, die selbst schon so etwas erlebt haben. Ob nun am eigenen Leibe oder in ihrem Umfeld. Manchmal schreiben sie ganz bewusst solche Geschichten und wollen es uns einfacher machen. Uns unbewusst zeigen: Ich bin auch nur ein Mensch, der diese Welt ertragen muss. Sie zeigen auf, wie sie damit umgehen. Beschreiben, wie es sich anfühlen kann.

Aber sollte das so sein? Wollen wir Leser nicht lieber rosarote Wölkchen? Glückseliges Leben?

Nein, finde ich. Auch, wenn Träume schön sind und Bücher „nur“ geschriebene Worte. Wir Menschen sind dazu verdammt, Vergleiche zu machen. Mit anderen Menschen, Situationen miteinander, Lösungen abzuwägen. Unser Unterbewusstsein pickt sich aus allem, was es hört, liest oder sieht, Möglichkeiten heraus. Und ganz automatisch verändern wir damit unsere Sichtweise. Ihr müsst euch nur selbst dabei beobachten, etwas genauer hinhören, dann bemerkt ihr es selbst.

Eure Nine